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Paper Princess und das Shades-of-Grey-Phänomen

18. März 2017 / Rezensionen / 4 Comments

Wenn ich nach dem Lesen ein paar Minuten das gerade Gelesene reflektiere, stelle ich fest, dass „Paper Princess“ eigentlich totaler Müll ist – sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Und trotzdem konnte ich mich der Sogwirkung nicht entziehen und habe dieses Buch quasi inhaliert.

Die Geschichte beginnt wie eine schöne Aschenputtel-Story. Die noch minderjährige Ella hält sich seit dem Tod ihrer Mutter mit Strippen über Wasser. Dann taucht plötzlich dieser Multimillionär Callum Royal auf, der sich als ihr Vormund ausgibt und sie kurzerhand mit in seine Luxusvilla nimmt, wo es aber alles andere als märchenhaft zugeht.

Ella ist eine Person, mit der man als Leser gern mitfiebert. Ihre tragische Geschichte und ihre Zielstrebigkeit sind so mitreißend, dass man unbedingt wissen möchte, wie es mit ihr weitergeht. In der Luxusvilla warten die fünf (Achtung Spoiler: superheißen … ach, was sag ich … allerheißesten, die man sich nur vorstellen kann) Söhne Gideon, Sebastian, Sawyer, Easton und Reed. Sie reagieren auf die Ankunft Ellas mit harter Ablehnung. Schnell wird klar, dass die Familie Royal ein Geheimnis umgibt und man ist den Rest der Handlung damit beschäftigt herauszufinden, was mit dieser reichen Familie nicht stimmt und ob Ella und einer der Royalsprösslinge ein Paar werden.

Das Leben der Reichen und Schönen ist genau so dargestellt, wie man es aus Filmen oder Serien kennt. Es geht nur um Geld, Namen und Aussehen. Passt man nicht rein, wird man von allen gemieden oder gar fertig gemacht. So oberflächlich wie das Leben sind auch die Charaktere – blass und klischeehaft. Lediglich Ella, Reed und Easton werden intensiver umrissen. Was sich jetzt erst einmal negativ anhört, passt aber genau so zur Geschichte.

Sehr störend fand ich das Herunterspielen von Gewalt und Kriminalität. Vieles scheint ausschließlich über Selbstjustiz geregelt zu werden. Die fünf Geschwister haben jeder ihr eigenes Päckchen zu tragen, wovon man (noch) nicht viel erfährt, aber Gewalt ist eine Art Druckabbau all der angestauten Wut, vor Allem für Reed. Sagt man was Falsches, hat man die Faust des Royals im Gesicht. Daneben gibt es weitere kriminelle Machenschaften, die vollkommen straffrei bleiben. Am Ende habe ich die Verliebtheit Ellas nicht mehr so ganz nachvollziehen können. Einen Bad Boy anzuhimmeln ist ja schön und gut, aber ich habe absolut NICHTS liebenswertes an ihrem Auserwählten gefunden.

Der Schreibstil ist leicht und umgangssprachlich. Die Kapitelenden sind so gut gewählt, dass man nicht umhinkommt immer weiterzulesen. Natürlich spielt Erotik eine tragende Rolle, aber die Häufigkeit ist angenehm. Lediglich die Darstellung konnte mich nicht überzeugen. Anfangs liest es sich schön, aber irgendwann ist es immer das Gleiche.

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Und nun habe ich das Buch in knapp 500 Wörtern runtergemacht und dennoch erwarte ich sehnsüchtigst die Fortsetzung. Vor Allem nach der letzten Szene MUSS ich wissen, wie es weitergeht. Verrückt oder? „Paper Princess“ ist wahrscheinlich so ein Schades-of-Grey-Phänomen. Eigentlich weiß man, dass die Handlung Blödsinn ist, aber trotzdem muss man es lesen.


Paper Princess. Die Versuchung

Paper Princess und das Shades-of-Grey-Phänomenvon Erin Watt
Übersetzer: Lene Kubis
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 1. März 2017
ISBN: 978-3-492-06071-4
Seitenzahl: 384
Genre: Erotische Literatur
Reihe: The Royals #1
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three-stars (Mehr Infos zum Bewertungssystem)

Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der Milliardär Callum Royal. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne – einer schöner als der andere – verheimlichen etwas und behandeln Ella wie einen Eindringling. Und ausgerechnet der attraktivste von allen, Reed Royal, ist besonders gemein zu ihr. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen, denn es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und Ella ist klar: Wenn sie ihre Zeit bei den Royals überleben will, muss sie ihre eigenen Regeln aufstellen …



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4 responses to “Paper Princess und das Shades-of-Grey-Phänomen

  1. Hallöchen,
    was ist das nur immer, dass solche Bücher so eine Sogwirkung haben, obwohl man Handlung und Sprache eigentlich gar nicht so prickelnd fand?
    Deine Kritikpunkte zu Handlung und Sprache sind der Grund, warum ich mich nicht an das Buch rangewagt habe. Ich hab sowas nämlich schon vermutet.
    Trotzdem bin ich jetzt irgendwie neugierig. Denn ja, bei Shades of Grey war es auch so. Ich fand die Handlung vollkommen sinnfrei und auch die Erotikszenen waren so gar nicht meins, aber ich konnte trotzdem nicht aufhören.

    Liebste Grüße
    Kate ♥

    • Yvonne

      Hallo Kate,

      ich kann dieses Phänomen auch nicht erklären. Ich finde ja, dass jemand darüber mal eine Bachelorarbeit schreiben sollte. XDDD

      Bei Shades of Grey habe ich mich noch geweigert, das zu lesen, aber bei Paper Princess hat es mich auch voll erwischt. Falls du dich doch noch an Paper Princess ranwagst, möchte ich bitte deine Meinung zum Buch lesen. 🙂

      Liebe Grüße
      Yvonne

      • Hach, meine Kollegin hat es jetzt auch gelesen und fand es ebenfalls nicht schlecht.
        Sie meinte zwar, dass das Ende sehr vorhersehbar ist, aber es war wohl ganz gut. Ich bin mir wirklich unschlüssig xD

        Liebste Grüße ♥

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