du wolltest es doch

Du wolltest es doch / Louise O’Neill

12. August 2018 / Rezensionen / 2 Comments

Das Buch wurde auf der Leipziger Buchmesse vom Verlag vorgestellt. Mit der Aussage, das sei das Programmhighlight einer Mitarbeiterin, wurde ich neugierig, konnte mir jedoch noch nicht annähernd vorstellen, wie sehr mich die Geschichte letztendlich berühren würde.

Du wolltest es doch

Du wolltest es doch / Louise O’Neillvon Louise O'Neill
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2018
ISBN: 978-3-551-58386-4
Seitenzahl: 368
Genre: Jugendbücher
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Nein, richtig sympathisch ist Emma nicht. Sie steht gern im Mittelpunkt, die Jungs reißen sich um sie und Emma genießt es. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist auf der Party mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?

Das geschieht der doch recht!

Die Geschichte beginnt mit Emmas Alltag. Aus der Ich-Perspektive erzählt erlebt man Emmas arrogante und selbst bezogene Art. Nach nur wenigen Seiten fand ich sie dermaßen unsympathisch, dass sich in mir der Gedanke regte: „Naja, irgendwo geschieht ihr das doch recht.“ Aber dann hat mir der weitere Verlauf gezeigt, dass man so etwas NIEMALS auch nur denken darf. 

„Ich bitte dich Car“, sagte das erste Mädchen ungeduldig. „Niemand hat sie gezwungen, zu saufen oder irgendwelche Scheißpillen einzuwerfen. Und man kann ja wohl kaum von einem Typen erwarten, dass er sie von der Bettkante stößt, wenn sie sich ihm so an den Hals schmeißt, oder?“

Du wolltest es doch, S. 163

Niemand ist schuld an der eigenen Vergewaltigung!

Es ist egal, wie kurz der Rock ist, wie unser Liebesleben aussieht oder wie viel wir getrunken haben – niemals darf Geschlechtsverkehr ohne beiderseitiges Einverständnis erfolgen. Es ist traurig, dass bei der Nachricht über eine Vergewaltigung immer Infos darüber kommen, was die Frau anhatte oder wo sie war. Das ist so irrelevant und WIR sollten unser Denken ändern.  

Schmerzhaft, packend und wichtig!

Nach der Vergewaltigung erlebt man Emmas Zeit danach – ihre persönlichen Gedanken und Gefühle, die Reaktion ihrer Familie und ihrer Umgebung. Die Seiten zu lesen ist grauenhaft und schmerzvoll. Angefangen mit den Bildern selbst und der sich daraus ergebenen Perversion der Täter, über die Reaktionen des Umfelds, die eigentlich nur unsere aktuelle Gesellschaft wiederspiegeln, bis hin zum Zerbrechen Emmas und ihrer Familie. Ich wollte das Buch zur Seite legen, immer wieder, aber ich musste einfach weiterlesen. Ich wollte ein Happy End für Emma.

Meine Mutter wartet, bis die beiden gegangen sind, bevor sie ihr Weinglas hervorholt. „Warum gehst du nicht nach oben?“, sagt sie. „Hat ja keinen Sinn, dass du hier rumhockst, während ich Essen mache. Na los, geh mir aus den Augen.“

Du wolltest es doch, S. 254

Dank der gewählten Perspektive sind Emmas Gedanken greifbar und schmerzlich nachvollziehbar. Besonders beeindruckend und gut gewählt empfand ich die Textpassagen in Klammern. Sie spiegeln Emmas wahre Gedanken wieder und zeigen damit den Widerspruch ihrer Aussagen und ihren Gefühlen.

Am Ende der Geschichte bin ich einfach nur deprimiert und fassungslos. Gleichzeitig hat mich der Inhalt zum Nachdenken angeregt und mich dazu gebracht, eigene Gedanken in Frage zu stellen.

Bitte auch das Nachwort lesen!

Gehört ihr zu den Menschen, die nach der Geschichte ein Buch sofort zur Seite packen? Dann tut das diesmal nicht, denn sowohl das Nachwort der Autorin als auch das Nachwort zur deutschen Ausgabe von Daniela Chmelik sind unfassbar wichtig. 

Ganz egal, wie oft sie ihre alberne Forderung Gleiches Recht für alle wiederholen, ändert das doch nichts an der Tatsache, dass Frauen nun einmal eine gewisse naturgegebene Verantwortung für ihre eigene Sicherheit tragen.

Du wolltest es doch, S. 281

O’Neills Buch hat weltweit Diskussionen ausgelöst. Ich möchte euch an dieser Stelle Beiträge von BloggerInnen auflisten, die tolle Beiträge passend zum Thema geschrieben haben:

eure-yvonne

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2 responses to “Du wolltest es doch / Louise O’Neill

  1. Liebe Yvonne,

    es freut mich, dass dich die Geschichte so bewegt hat!
    Ich habe sie ja noch vor mir und bin schon wahnsinnig gespannt, wie sie mir gefallen wird.
    Eine wirklich ehrliche und tolle Rezension.

    Liebste Grüße <3 Jill

  2. Liebe Yvonne,
    erst einmal: vielen lieben Dank, dass du unsere Beiträge verlinkt hast! Das ist superlieb von dir 🙂
    Das Buch hat dich ja ziemlich mitgenommen und einiges in dir ausgelöst, das freut mich sehr. Es ist faszinierend, wie Bücher einen beeinflussen und prägen können 🙂

    Alles Liebe,
    Sarah

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