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Wie es wirklich ist, in einer Bibliothek zu arbeiten

6. Juli 2017 / Bibliotheksgeschichten / 2 Comments

„In einer Bibliothek zu arbeiten ist ja voll cool, da kannst du ja den ganzen Tag Bücher lesen.“

Das ist nur ein Satz, den man als Bibliotheksmitarbeiter regelmäßig an den Kopf geschmissen bekommt. Angefixt von dem Beitrag „Wie es wirklich ist, im Buchhandel zu arbeiten„, der bei fruehlingsmaerchen erschienen ist, habe ich mir gedacht, das auch mal für meinen Beruf als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (Fachrichtung Bibliothek) zu machen.

Ich habe ihr ein paar typische Sätze, die mich seit Ausbildungsbeginn 2009 regelmäßig begleiten, manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben, manchmal zum Schmunzeln bringen.

Du kannst den ganzen Tag lesen!

Der Klassiker. Was wäre das für ein Traumjob, wenn es denn so wäre. Aber nein. Überraschung. Ich kann nicht den ganzen Tag lesen. In einer Bibliothek gibt es viele verschiedene Aufgaben: Bücher einstellen, Aufräumen, Kassen abrechnen, Servicedienste, Medien einarbeiten, …. Ihr seht, da bleibt kein Raum zum Bücher lesen. In meinem Fall, habe ich sicher noch einen der besten Aufgaben in der Bibliothek. Ich darf nämlich die ganzen neuen Bücher auspacken und zumindest einmal reinlesen.

Kannst du mir auf Arbeit Buch XY kaufen?

Äh nein? Wir sind eine Bibliothek, da LEIHT man Bücher aus. Ich glaube, diese herrliche Diskussion habe ich am meisten mit meiner lieben Mama. Scheinbar ist der Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Bibliothek nicht immer eindeutig.

Wie jetzt, Sie haben das Buch nicht?

Tja, eine Bibliothek ist in ihren Platz- und Geldressourcen leider sehr begrenzt. Bei bald 100.000 Neuerscheinungen im Jahr, ist logisch, dass nicht jedes Buch gekauft werden kann. Daher wählen die Kollegen ihre Medien entsprechend ihres Profils aus.

Hä? Warum muss ich jetzt was bezahlen?

Ich glaube, es gibt nichts, worüber Menschen lieber diskutieren, als das liebe Geld. Ob Anmeldegebühren, Vertragsstrafen und sonstige Dienstleistungen … alles ist grundsätzlich zu teuer. Auch eine Bibliothek ist nicht zu 100% kostenlos. Lässt man sich Bücher aus anderen Bibliotheken liefern oder hält sich nicht an die Ausleihfrist, fallen eben Gebühren an. Manche Menschen tun dann so, als wenn sowas neu eingeführt wurde.

Ich habe einmal mit einer Frau diskutiert, die sich beschwerte, dass sie für eine Mahnung, die sie bekam, 1 € bezahlen sollte. (Zur Erklärung: Eine Mahnung wird von uns nach 14 Tagen Fristüberschreitung verschickt.) Sie meinte, dass das übertrieben und viel zu teuer sei. Als ich ihr erklärte, dass das ja noch human sei und man bei anderen Unternehmen mal schnell 10 € bezahlen müsse, wollte sie mir nicht glauben.

Manchmal falle ich bei diesen Diskussionen vom Glauben ab. Einige denken scheinbar, dass eine Wohltätigkeitsorganisation sind und alle Medien spenden sind, die sie nach Lust und Laune behalten können. Dass sie aber einen Vertrag mit Rechten und Pflichten unterschrieben haben, scheinen sie zu vergessen.

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Bockwurst! Einwortsätze – wie ich sie liebe. Ich weiß nicht, ob manche denken, dass wir Bibliotheksmenschen nicht mehr als ein Wort am Stück aufnehmen können oder ob sie einfach ihre gute Kinderstube vergessen haben. Leute! Ihr dürft vollständige Sätze verwenden!

Ich möchte gern dieses Buch haben, das mit dem blauen Cover.

Auch ein Klassiker und wahrscheinlich lacht gerade meine liebste Jill (Letterheart), weil ich auch so ein Kandidat bin, der die Buchcover detailliert beschreiben, aber weder Titel, Autor oder Inhalt benennen kann. XD

Aber leider können wir mit solchen Aussagen nichts anfangen. Es gibt tausende von Büchern mit blauen Covern und eine Farbsuche gibt es in unserem Katalog leider (noch) nicht.


Das waren jetzt wirklich die Sachen, mit denen ich regelmäßig konfrontiert werde. Daneben gibt es noch die nervigen Benutzer, die einfach nur stänkern oder die, die ihren Frust abladen wollen.

Aber es gibt auch die tollen Menschen, die sich auch wochenlang nach einer kleinen Hilfestellung, einer Buchempfehlung oder einfach nach einem netten Wort so sehr freuen, dass man sich mit ihnen freut und weiß, weswegen man diesen Job macht.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Arbeit machen darf!

Kleiner Tipp am Rande: Bald ist ja wieder Bewerbungszeit. Falls ihr mehr über meinen Beruf erfahren wollt, schaut mal HIER vorbei.

Habt ihr im Job oder in der Schule immer wiederkehrende Situationen, die euch wahnsinnig machen?


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2 responses to “Wie es wirklich ist, in einer Bibliothek zu arbeiten

  1. Richtig toller Post, ich freue mich wirklich, dass ich dich dazu inspirieren konnte! Die Kunden, die nicht „hallo“ sagen und dann auch nur in unhöflichen Ein-Wort-Sätzen reden, von „bitte“ und „danke“ noch nie was gehört haben, finde ich auch immer ganz furchtbar. Und zu uns verirren sich tatsächlich manchmal Kunden, die denken, wir sind eine Bibliothek und sie könnten sich Bücher einfach so ausleihen. 😀 Der Unterschied ist also erstaunlicherweise tatsächlich noch nicht in allen Köpfen angekommen.
    Liebe Grüße!
    Liesa

  2. Ich stelle mir deinen Beruf sehr schön vor, auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass ihr den ganzen Tag lesen könnt. 😀
    Bis heute erinnere ich mich an die Bibliotheksbesuche mit der Klasse , die mich zu einer eifrigen Bibliotheksgängerin gemacht haben. Zum Teil weiß ich noch, was vorgestellt wurde. Meine Lieblingsbibliothekarin hatte ich damals auch.
    Bei uns kostet die Büchereikarte für Erwachsene 15€ im Jahr, für Kinder ist es kostenlos. Ich finde das nicht zuviel und zahle auch gern den Euro für eine Vorbestellung. Für 15€ könnte ich mir gerade mal ein einziges Buch kaufen, also worüber sollte man sich da beschweren? Zu spät geben wir eigentlich nichts mehr ab. Ich hab die Web-OPAC-App und finde es grandios immer den Überblick über meine und die Konten der Kinder zu haben.
    Unsere Bücherei ist ziemlich gut ausgestattet und schafft auch regelmäßig neue Bücher an bzw. tauscht Beschädigtes schnell aus. Es gibt auch ein Wunschbuch, in das man seine Wünsche eintragen kann. Die werden dann geprüft und ggf. angeschafft. Unser kleiner Ortsteil hat auch eine Ortsbücherei, die ehrenamtlich betrieben wird. Hier ist die Ausleihe kostenlos und Wünsche werden im Handumdrehen beschafft. Da kann ich deine Mutter verstehen, die sagt „Kannst du mir mal das Buch kaufen?“ Das hab ich da nämlich auch schon gesagt. Natürlich kann ich es dann nur leihen. Für unsere Ortsbücherei haben wir einen kleinen Förderverein, in dem ich mich engagiere. Da gibt es dann zweimal im Jahr eine Autorenlesung.

    Ich finde jedenfalls, du hast einen tollen Job. Blöde Kunden gibt es überall, das gehört wohl einfach dazu. 🙂

    Liebe Grüße,
    Mona

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