Wer war Jean-Martin Charcot?

8. Mai 2016 / (Buch)Aktionen / 1 Comment

Hallo ihr Lieben,

heute geht es weiter mit unserem Buchspecial zu Runa. Ich setze mich im heutigen Beitrag mit dem spannenden Charakter Jean-Martin Charcot auseinander. Bei Letterheart gibt Interessantes zur Krankheit Hysterie.

Jean-Martin Charcot nimmt in Runa eine wichtige Rolle ein. Als Arzt am Hôpital de la Salpêtrière werden seine Dienstagsvorlesungen thematisiert, in denen er vor Studenten, Medizinern, Journalisten und anderen Interessierten seine Forschungen der Hysterie demonstrierte. Ich habe seine Vorgehensweise und seinen Umgang mit den Frauen gehasst, musste im Nachhinein aber auch seine Bedeutung für die Medizin feststellen.

„Er liebte es, seinen Instrumentenkasten zu demonstrieren. Und der Sex Bâton war sein persönliches Prunkstück. Wenn der Nervenarzt durch die Gänge der Salpêtrière schritt, hatte er ihn oft fest unter den Arm geklemmt, den hölzernen Teil unter der Achsel, die Hand um das bronzene Ende geschlungen.“ (S. 62)

Jean-Martin Charcot
Jean-Martin Charcot

Jean-Martin Charcot wurde am 29. November 1825 in Paris geboren. 1853 schloss er sein Medizinstudium erfolgreich ab und arbeitete im Anschluss zunächst als Krankenhausarzt. Seit 1862 arbeitete Charcot an der Salpêtrière, wo er schließlich klinischer Chefarzt wird.

Hat er sich in seiner Promotion noch mit Gelenkrheumatismus beschäftigt, werden im Laufe der Jahre neurologische Erkrankungen Inhalt seiner Forschungen. In den 1870ern bilden dann Hypnose und Hysterie seine zentralen Forschungsinhalte. Gemeinsam mit Charcot wird die Salpêtrière zur größten neurologischen Klinik Europas.

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Charcot demonstriert, assistiert von Joseph Babinski, an der Salpêtrière die hysterische Patientin Blanche Wittman in hypnotisiertem Zustand. Gemälde von André Brouillet (Ausschnitt), 1887.

Seine Berühmtheit erlangte der Mediziner durch seine öffentlichen und heute noch kontrovers diskutierten Vorstellungen, in denen er unter Anderem an Hysterie erkrankte Frauen vorführte und an ihnen Experimente vollzog. Berühmte Persönlichkeiten wie George Gilles de la Tourette und Sigmund Freud werden seine Schüler. Diese Fallvorstellungen beeinflussen den weiteren Verlauf der Psychiatrie.

Erst kurz vor seinem Tod am 16. August 1893 stellt Jean-Martin seine Forschungen zur Hysterie selbst in Frage.

Auch wenn seine Vorgehensweise seiner Dienstagsvorlesungen zweifelhaft ist, war er letztendlich ein bedeutender Mann für die Medizingeschichte. Dies belegen zahlreiche Begriffe und Erkrankungen, die nach ihm benannt worden sind.

Hier eine kleine Auswahl:

Charcot Krankheit / Morbus Charcot
Amyotrophe Lateralsklerose, jedoch auch gelegentlich für die Multiple Sklerose verwandt.
Charcot Schwindel
Synkope oder Schwindel, die durch einen Hustenanfall ausgelöst wird und einhergeht mit einem laryngealen Spasmus
Charcot Punkte/Zonen
Punkte, an denen druch Druck eine hysterische Krise ausgelöst werden kann.


Jedem von uns ist sicher bewusst, dass große medizinische Errungenschaften ihre Opfer forderten. In Runa ist der Leser hautnah dabei, wie gnadenlos die Medizingeschichte sein kann.

Wie habt ihr den Arzt beim Lesen des Buches empfunden? Könnt ihr euch vorstellen, dass Experimente an Menschen zu einer Art Show werden?


Text- und Bildquelle
Wikipedia: Jean-Martin Charcot. https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Martin_Charcot (07.05.2016)


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