REZENSION | Eisblaue Augen von Sandra Bäumler

17. Juli 2015 / Rezensionen / 0 Comments

Eine tolle Grundidee unterdrückt von einer nervtötenden Liebesgeschichte

Geheimnisvolle Tagebuchseiten, ein altes Landhaus am Meer und ein gut aussehender Mann – na wenn das mal nicht ausreichend Stoff für eine spannende Story bietet?! Der Klappentext und das wunderschöne Cover machen neugierig. Hier hat Impress wieder einmal gezeigt, wie man Leser begeistern kann.

Der Leser wird mitten ins Geschehen geworfen. Die 18-Jährige Alex‘ ist in der Wohnung ihrer Oma. Gemeinsam mit der jüngeren Schwester und ihrer Mutter verwaltet sie den Nachlass der kürzlich verstorbenen alten Dame. Beim Durchsuchen des Kleiderschranks fallen Alex Originalausgaben diverser Romane in die Hände, in deren Buchdeckel sich Tagebuchseiten verstecken. Genau wie bei Alex hat sich auch in mir sofort der Entdeckergeist geregt. Was hat es mit den geheimnisvollen Schriftstücken auf sich? Wer hat die Zeilen geschrieben? Warum wurden die Seiten in Büchern versteckt?

Die Handlung wird anschließend aus zwei Perspektiven erzählt – Alex in der Gegenwart und Kates Tagebucheinträge aus dem 19. Jahrhundert. Beide Zeitebenen sind in der Ich-Perspektive geschrieben.

Es ist spannend die Erlebnisse der jungen Gouvernante Kate zu verfolgen. Ähnlich einer Schnitzeljagd erfährt der Leser Stück für Stück, was sich damals auf dem Anwesen zugetragen hat. Wie habe ich es gehasst, wenn Alex die Tagebuchseiten weglegen musste. Kate offenbart ihrem Tagebuch ihr großes Geheimnis, das für immer unter Verschluss bleiben sollte. Die Geschichte der jungen Frau hat mich vollkommen berührt. Ich war fasziniert und aufgeregt als Alex in der heutigen Zeit den Ort des Geschehens besucht und feststellt, dass es alle Orte wirklich gibt.

Es hätte so spannend weitergehen können, aber nein. Auf dem Anwesen trifft Alex dann aber auf den geheimnisvollen wunderschönen Jay. In Lichtgeschwindigkeit wird aus der spannenden Handlung eine nervtötende Liebesgeschichte. Während Alex zwischen dämlicher Zicke und pubertierendem Teenager hin- und herwechselt, ist Jay zunächst arrogant und dann einfach nur unsympathisch. Ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, wo die großen Gefühle herkommen. Ich meine, der Typ bringt einen Menschen um, aber egal, die gute Alex verlässt trotzdem für immer ihre Familie für ihn, weil die beiden sich ja soooo lieben. Unverständlich! Und dann diese ganzen Szenen, in denen die beiden miteinander schlafen. Die Momente an sich sind wirklich schön beschrieben, aber die Häufigkeit empfinde ich als übertrieben.

Die Handlung wird nach einem holprigen Mittelteil rasanter, aber nicht unbedingt besser. Ich hatte zeitweise echt Probleme, dem Geschehen zu folgen. Alex geht meines Empfindens nach zu gelassen mit der ganzen Situation um und hinterfragt viel zu wenig – ach, eigentlich gar nichts. Eine Szene reiht sich an die nächste und plötzlich kommt das Ende.

Der Schreibstil ist im Großen und Ganzen angenehm und bildlich, aber bei manchen Formulierungen haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt. Es gab viele Wiederholungen, sei es nun Alex‘ Lara Croft-Manier oder ihre zu Wackelpudding (oder anderen weichen Substanzen) werdenden Beine. An anderen Stellen wird wiederum deutlich wie krampfhaft Wiederholungen eigentlich vermieden werden sollen, so wird aus dem Handy in der nächsten Zeile ein Mobile Phone, was sprachlich überhaupt nicht zusammenpasst und albern wirkt. Der sprachliche Unterschied zwischen Kate im 19. Jahrhundert und Alex in der Gegenwart ist der Autorin dagegen besonders gut gelungen.

Fazit

Die Grundidee der Geschichte ist klasse, aber leider mangelt es teilweise an der Umsetzung. Dem Buch hätten ein paar Seiten mehr gut getan, in denen dem Leser Motive und Gefühle der handelnden Personen näher gebracht werden. Vielleicht wäre ich dann mit Alex und Jay warm geworden. Es ist schade, dass die Liebesgeschichte die eigentlich viel spannendere Fantasyhandlung so dermaßen in den Hintergrund drückt.

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