Gelöschte Szenen aus Herz zu Asche | Blogtour Tag 4

4. August 2015 / (Buch)Aktionen / 1 Comment

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Heute ist schon der 4. Tag unserer Blogtour zu „Herz zu Asche“. Ich bin froh, dass wir auf den finalen Band der Trilogie nicht so lange warten mussten. Immerhin hinterließ uns „Herz in Scherben“ mit einem fiesen Cliffhanger.

Diesmal gibt es interessantes Zusatzmaterial zum Buch, dass wir euch in dieser Blogtour vorstellen dürfen. Heute gibt es den ersten Teil der gelöschten Szenen.

Ich finde es sehr interessant zu lesen, welche Gedanken die Autoren haben und dann aber doch wieder verwerfen. Ihr auch?

Die folgenden beiden Szenen befanden sich ursprünglich im fünften Kapitel des Romans. In dieser Version rennt Charlie nicht kopflos zu den Klippen, sondern sie geht zusammen mit David hoch, um sich mit ihm auszusprechen.

„Meine Güte“, sagte Charlie zu mir, nachdem sie und David von ihrem Spaziergang wieder da waren. „Das hast du ja wunderbar hingekriegt!“
Sie hatte Miley und mich auf der Terrasse beim Pool entdeckt, wo wir die Abendstunden damit verbrachten zu lesen. Na ja, das heißt: Miley las und ich versuchte, irgendwie die Zeit totzuschlagen, bis David Charlie klargemacht hatte, dass er von nun an mein Freund war.
„Ich habe keine Ahnung, was du meinst.“ Betont lässig ließ ich mein Buch sinken. Ich hatte in den letzten anderthalb Stunden vielleicht zwanzig Seiten gelesen, aber selbst unter Folter hätte ich nicht sagen können, worum es in der Geschichte ging. Mein Blick wanderte an Charlie vorbei und hin zu David.
Er war in einiger Entfernung stehen geblieben, und als er nun zu uns trat, wirkte er so schuldbewusst, dass ich augenblicklich wusste, was geschehen war: Er hatte es nicht über die Lippen bekommen.
Er hatte Charlie nicht gesagt, dass er fest mit mir zusammen war.
Ich schluckte und konzentrierte mich auf Charlie.
Miley linste über den Rand der Klatschzeitschrift, die sie gelesen hatte. Auch sie schien David auf der Stelle zu durchschauen, denn sie seufzte theatralisch. Dann warf sie das Blatt auf den kleinen runden Tisch neben ihrer Gartenliege und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust, als wollte sie sagen: Bin gespannt, was jetzt kommt!
Ihre Geste sah ziemlich übertrieben aus und ich musste fast darüber lachen, wie finster sie Charlie anstarrte.
Gute alte Miles!
Was würde ich nur ohne sie tun?
Charlie hatte David auch bemerkt. Sie schenkte ihm ein winziges, fast schüchtern aussehendes Lächeln. Es faszinierte mich, wie schnell ihre Stimmungen wechseln konnten. Als sie sich nämlich wieder mir zuwandte, sah sie nicht im Mindesten schüchtern aus, sondern, im Gegenteil, ziemlich siegessicher.
Überheblich, dachte ich. Das traf es eher. Unwillkürlich tastete ich nach der schmerzenden Stelle an meiner Schläfe, die sich jetzt, gegen Abend, mit einem bohrenden Kopfschmerz bemerkbar machte.
David sah es und presste die Lippen aufeinander. Ich ahnte, dass er, genau wie ich, daran dachte, woher ich die Beule hatte. Seine Schuldgefühle standen ihm überdeutlich ins Gesicht geschrieben.
„War noch was?“, fragte ich Charlie. Ich wollte sie so schnell wie möglich loswerden, aber sie hatte offenbar nicht vor, mich so einfach in Ruhe zu lassen.
„Früher war er nicht so schweigsam und in sich gekehrt“, behauptete sie.
Der Sinn ihrer Worte sickerte nur langsam in meinen pulsierenden Schädel. „Du willst sagen, dass ich schuld an Davids …“ Mir blieb regelrecht die Spucke weg bei dieser Verdrehung der Tatsachen.
Miley hatte ungläubig die Augen aufgerissen. Ich konnte ihr an der Nasenspitze ablesen, was sie dachte.
Hast du noch alle Tassen im Schrank, hier Juli die Schuld an Davids Verhalten zu geben?
„Spinnst du …?“, empörte sie sich, aber ich brachte sie mit einem warnenden „Miles!“ zum Schweigen, ehe die Situation eskalierte.
Doch Charlie ließ sich weder von mir noch von Miley beeindrucken. Als sei die Sache doch ganz offensichtlich, zuckte sie die Achseln. Und genau wie bei ihrem Aufbruch zum Spaziergang hakte sie sich mit einer vertrauensseligen Geste bei David unter.
Er erstarrte kurz, dann zog entzog er ihr seinen Arm.
Sie schien es nicht einmal richtig zu bemerken. Ihre volle Konzentration war auf mich gerichtet. Ich kam mir vor, als würde sie mich mit ihren Blicken durchleuchten.
„Ich war es nicht, die ihn sieben Monate hat glauben lassen, dass ich tot bin“, sagte ich so ruhig wie nur möglich.
Davids Nasenflügel bebten.
Charlies Gesichtszüge entgleisten.
Miley lachte auf. „Treffer!“, kommentierte sie zufrieden.
Charlie jedoch schien nicht wirklich getroffen zu sein. Sie ignorierte den Vorwurf hinter meinen Worten komplett. Stattdessen zischte sie: „Wir werden ja sehen!“
Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und stolzierte davon.
Zur Abwechslung einmal fehlten Miley bei diesem Abgang die Worte.

Ich unterdrückte ein Seufzen und sah zu David auf, der sich keinen Millimeter gerührt hatte. „Du hast es ihr nicht gesagt, oder?“
Miley schnappte sich ihre Zeitschrift. „Ich glaube, ich gehe mir mal das Näschen pudern“, murmelte sie und ließ uns beide allein.
David kam einen Schritt näher. Er sah noch immer schuldbewusst aus, wirkte jetzt aber auch irgendwie unglücklich. „Du musst mich für einen Feigling halten. Aber ich konnte es nicht.“
Ich erwiderte nichts darauf, sondern wartete, ob er mir eine Erklärung liefern würde. Er schob die Hände tief in die Taschen seiner Jeans, sodass seine Haltung plötzlich abweisend und verschlossen aussah. Seine Miene jedoch war weich, als er zu mir sagte: „Sie ist noch nicht so weit, Juli. Ich hatte Angst, dass sie …“ Er ächzte. „Sie ist noch nicht so weit.“ Das zweite Mal sprach er den Satz voller Resignation aus.
Ich spielte mit den Seiten des Buches auf meinem Schoß. Ich wollte ihn nicht verurteilen. Wir waren alle ziemlich neben der Spur durch Charlies plötzliches Wiederauftauchen und vermutlich hatte er den größten Brocken zu schlucken.
Sieben Monate …
Ich schauderte und blickte unwillkürlich in die Richtung, in der Charlie verschwunden war. Ganz kurz hatte ich den Eindruck, dass sie dort irgendwo stand und uns belauschte, aber das war eine Täuschung. Es war nirgendwo ein Fitzelchen von ihr zu sehen.
Ich sah David an. „Versprich mir nur eins“, bat ich ihn.
Er nickte.
„Du hast gesagt, du hast sie durchschaut. Lass dich nicht wieder von ihr einwickeln.“


Hier nochmal alle Tourdaten im Überblick

01.08.2015
Sarahs Bücherwelt – Rosa Brief

02.08.2015
About Books – Herz in Flammen 1

03.08.2015
His & Her Books – Herz in Flammen 2

04.08.2015
Yvonnes Bücherecke – Deleted Scenes

05.08.2015
Tanjas Rezensionen – Tagebuch 1-3

06.08.2015
Schmökereck – Tagebuch 4

07.08.2015
Bücherjunkie Sunnyle – Deleted Scenes

08.08.2015
Sue Timeless – Tagebuch 5

09.08.2015
Marys Bücherwelten – Deleted Scene

10.08.2015
Eulengewisper – Tagebuch 6


Am Ende könnt ihr das gesammelte Material auf www.herzausglas-trilogie.de noch einmal nachlesen.


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