es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen von Ulla Scheler

26. November 2017 / Rezensionen / 0 Comments

Was stand das Buch ewig ungelesen in meinem Regal. Erst zum Erscheinungstermin ihres neuen Buchs „Und wenn die Welt verbrennt“ habe ich ihr Debüt „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ gelesen. Ich wusste, dass das Buch der Autorin irgendwie anders ist, aber dass es mich so nachdenklich zurücklässt, hätte ich nicht erwartet.


Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen von Ulla SchelerEs ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen von Ulla Scheler
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 8. August 2016
ISBN: 978-3-453-27043-5
Seitenzahl: 368
Genre: Jugendbücher
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Schon seit ihren Kindertagen kennt Hanna Ben. Ben, der alle mitreißen kann, der atemberaubende Geschichten erzählt. Der Hanna so gut versteht wie kein anderer. Und der seit einem Schicksalsschlag an einer dunklen Last trägt. Nach dem Abitur fahren sie gemeinsam los, einfach immer der Nase nach Richtung Meer. Schließlich finden sie den perfekten Ort für ihr Zelt: einen verwunschenen Strand, um den sich aber eine düstere Legende rankt. Sie kommen einander dort nahe wie nie zuvor, und Hanna hofft, endlich hinter das große Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Aber dann passiert etwas Schreckliches …


Eine melancholische Sommergeschichte

Das Lesen des Buches ist nun bereits ein paar Wochen her und doch weiß ich immer noch nicht, was ich zu diesem Buch sagen soll. Auf der einen Seite hat mir die Atmosphäre der Geschichte gefallen, die mich in eine leicht melancholische Stimmung versetzte, doch auf der anderen Seite habe ich die Handlungen der Charaktere nicht verstanden.

Der Klappentext verrät bereits, dass Hanna und Ben sehr unterschiedlich sind. Hanna ist vernünftig, besonnen und macht sich Gedanken um ihre Zukunft. Ben dagegen wurde von einem Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen, ist spontan und kriminell. Die beiden sind seit ihrer Kindheit befreundet und fahren nach dem Abi gemeinsam an die Küste, wo ihnen ein Mädchen von der Legende eines ertrinkenden Jungen erzählt.

Als die beiden sich spontan auf den Weg an die Küste machen habe ich noch gedacht, dass Ben und Hanna die Lebensweisen des jeweils anderen neu kennen lernen, Verständnis füreinander entwickeln und gemeinsam neue Erfahrungen machen. Die Geschichte entwickelt sich aber anders als gedacht. Stattdessen gibt es unnötige Eifersuchtsszenen und einen egoistischen Ben, der mich zur Weißglut trieb.

Am Anfang war alles noch gut. Ich mochte die Atmosphäre dieser Geschichte. Ulla Scheler kann mit ihren Worten bei mir eine melancholische, manchmal bedrückende Stimmung aufbauen, die sich durch das ganze Buch zieht. Ich war durchweg gespannt und wollte wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Eine ganz besondere Freundschaft

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive Hannas erzählt. Ich mochte sie als Protagonistin und konnte mich gut in ihre Gefühlswelt einfinden. Mit zunehmenden Verlauf habe ich aber den Draht zu ihr verloren, denn irgendwann habe ich ihre Gedanken nicht mehr nachvollziehen können.

Zu skurril ist mir die Freundschaft zwischen Ben und Hanna. Vor Allem Bens egoistisches Verhalten und Hannas Akzeptanz dessen haben mich am Ende unheimlich genervt. Kann ein Schicksalsschlag eine Entschuldigung für alles sein? Ich kann gar nicht mehr dazu sagen, ohne zu spoilern. Für mich bedeutet Freundschaft immer ein Geben und Nehmen, doch bei den Protagonisten verläuft diese gefühlt sehr einseitig. Gleichzeitig ist es aber auch interessant diese zwischenmenschlichen Beziehungen zu verfolgen, die alles andere als perfekt sind. Ihr seht, meine Gefühle sind immer noch sehr zwiespaltig.

Aber genau das macht doch gute Literatur aus, oder? Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt, die einen lange nicht loslässt, zum diskutieren einlädt oder einen einfach mal aus der Realität entführt.


Fazit: Ulla Scheler erzählt ihre Geschichte vollkommen unaufgeregt und doch war ich durchgehend gefesselt. Themen wie Freundschaft, Ängste, Selbstfindung und Grenzen werden so eindringlich in dieser Geschichte verpackt, dass mich die Geschichte auch nach dem Lesen nicht sofort losgelassen hat. „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist definitiv ein literarisches Schmuckstück.

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