Rezension | Die Seiten der Welt von Kai Meyer

9. Dezember 2014 / Rezensionen / 0 Comments


Meine Meinung
Die Marketingstrategie für dieses Buch hat wohl wunderbar funktioniert. Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der nicht bereits vor dem Erscheinungstermin von Die Seiten der Welt gehört hat. Auch ich habe der Veröffentlichung entgegen gefiebert. Immerhin geht es in diesem Buch um Bücher. Was kann es Besseres geben?

Nach dem Lesen bin ich zwar begeistert von der Geschichte, aber auch etwas zwiegespalten. Die Ideen und die Charaktere haben mich vollkommen fasziniert und trotzdem beschleicht mich zum Ende hin zunehmend das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht ganz fertig ist.

Kai Meyers Ideen sind mehr als grandios. Origamivögel, Schimmelrochen oder auch die Exlibris sind nur einige der wunderbaren Fantasyelemente, die der Autor hier zum Leben erweckt hat. Auch wenn der Lesefluss aufgrund von vielen Erklärungen zunächst etwas holprig ist, habe ich jede Seite verschlungen.

Furia Fearfax und ihre Familie haben mir gefallen, weil jeder Charakter auf seine Weise besonders ist. Furias „Talent“ im Schlafen zu lesen oder Pips Clownschminke auf Grund einer schlimmen Erfahrung in seiner frühen Kindheit sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Auch Severin und sein besonderes Verhältnis zu Furia hat mir sehr gefallen. Die Idee, dass die beiden in verschieden Jahrhunderten leben und über ein Buch kommunizieren können, hat mich sehr beeindruckt. Die Dialoge der beiden gehörten zu meinen Lieblingsstellen im Buch.

„Ich weiß nicht, ob wir schon miteinander dichten, Furia, aber zumindest schreiben wir ein Buch zusammen.“ (S. 43)

Kai Meyers Schreibstil empfand ich als besonders. Er schafft es mit seinen Worten die Szenen so gut beschreiben, dass ich scheinbar mitten im Geschehen bin. Selbst lange Passagen, in denen Zusammenhänge genauer erläutert werden, bleiben spannend.

Zum Ende hin kommt es dann aber zu einem Umschwung und meine Begeisterung bekommt einen kleinen Dämpfer.

Was am Anfang noch spannend und faszinierend ist, verliert zunehmend seinen Zauber. Die Geschichte mutiert mit zunehmender Seitenzahl zu einem wahren Dauerlauf. Eine Szene reiht sich an die nächste, so dass vieles einfach untergeht. Von Emotionen kann man nicht mehr sprechen. Gerade das Verhältnis zwischen Furia und Pip hat bei mir viele Fragezeichen aufleuchten lassen.

Da beginnt der Autor mit so vielen wundervollen Ideen und dann verläuft einiges davon im Sand. Schade!

Fazit
Zweifellos hat Kai Meyer eine spannende und interessante Welt der Bibliomantik geschaffen, aber aus der Geschichte hätte man vielleicht lieber eine Dilogie machen sollen. Der Autor hat so viele wunderbare Ideen, von der jede ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hätte – die Bibliothek der Fearfaxs, Libropolis, die Charaktere. Dennoch ist das Buch ein lesenswerter Schmöker für alle Bücherliebhaber.

|Edit| Pünktlich zum Nikolaus verkündet der Autor, dass es einen zweiten Teil von Die Seiten der Welt geben wird. Whohoooo! Besagte Lücken werden bestimmt geschlossen und wir werden noch viel mehr über die Fearfax, deren Bibliothek und Libropolis erfahren. Ach, wie ich mich freue.


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